Büro 4.0 – Industrie 4.0 – Arbeiten 4.0

Industrie 4.0 ist ein Kernthema der Digitalen Agenda der deutschen Bundesregierung. Der Begriff steht seit der Hannover Messe 2011 für die erwartete vierte industrielle Revolution. Diese soll herbeigeführt wurden durch die Verzahnung der industriellen Produktion mit modernster Informations- und Kommunikationstechnik. Wesentlicher Unterschied zu Industrie 3.0 ist die Anwendung der Internet Technologien für die Kommunikation zwischen Menschen, Maschinen und Produkten.

Die Kernziele von Industrie 4.0 hören sich klassisch an: Kosten-, Zeit- und Ressourceneffizienz, Qualität und Flexibilität sowie bessere Unterstützung der Menschen bei ihrer komplexen, teilweise körperlichen Arbeit.

Entsprechend zu „Industrie 4.0“ hat sich für die zukünftige Büro-Arbeitswelt der Begriff „Büro 4.0“ herausgebildet. Dessen Kernziele sind ein attraktives gesundes Arbeitsumfeld, effiziente Büroarbeit und eine gute Work-Life-Balance. Wesentlicher Unterschied zu Büro 3.0 sind die Berücksichtigung der technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der jüngeren Zeit sowie die Überwindung der Schwächen der heutigen Büro-Arbeitswelt.

 

Schwächen der heutigen Büro-Arbeitswelt (Büro 3.0)

  • Nicht mehr zeitgemäße Arbeitskultur
    Strenge Hierarchien und darauf aufbauendes Führungsverständnis, vielfältige Regulierung und Vorgaben, fester Arbeitsort, feste Arbeitszeiten, Festhalten an wenig geeigneten Kommunikationsformen

  • IT-Infrastruktur: Insellösungen statt Integration
    Unterschiedliche, kaum vernetzte oder integrierte Anwendungs-Software-Systeme, häufige Medienbrüche in Kommunikation, Informationsverarbeitung und Zusammenarbeit, Datenredundanz und –qualität, unterschiedliche Bedienung je Anwendung, hoher Schulungsaufwand

  • Umfangreiche Arbeitszeit-Verschwendung
    Je nach Quelle beträgt der Anteil der Arbeitszeit-Verschwendung im Durchschnitt rund ein Drittel, das heißt 1,5 bis 2 Arbeitstage pro Woche. Vor allem aus diesen Gründen: E-Mail-Flut, unproduktive Meetings, nicht optimierte Geschäftsprozesse, hoher Zeitaufwand für Informationssuche.
  • Gesundheitliche Beeinträchtigungen
    Immer höhere Anforderungen im Büroalltag und permanente Stressbelastung können zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Stark zugenommen haben psychische Probleme wie Nervosität und Reizbarkeit bis hin zu mentaler Erschöpfung, Burn-out und Depressionen. Sehr häufig sind auch psychosomatische Erkrankungen, wie z. B. Magenschmerzen, Bluthochdruck, Hautirritationen, Kreislaufprobleme. Hinzu kommen körperliche Beeinträchtigungen durch zu viel oder falsches Sitzen, einseitige Bewegungsabläufe, Überbeanspruchung der Augen usw..

Die genannten Aspekte sind eng miteinander verbunden: Geschäftsprozesse, Kommunikation, Informationsspeicherung, Effizienz, individuelle Arbeitsweise, Wohlbefinden der Beschäftigten. Sie alle hängen weitgehend ab von der Arbeitsorganisation und den Möglichkeiten, welche die Informationstechnik (IT) im Unternehmen zur Verfügung stellt. Vor allem die umfangreiche Arbeitszeit-Verschwendung und die damit verbundenen Belastungen werden mitverantwortlich für  gesundheitliche Probleme gemacht.

Ludger Grevenkamp
26. Juni 2018